Prof. Dr. Ilka Koppel
Erwachsenenbildung verfolgt das Ziel, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen kontinuierlich zu berücksichtigen. Entsprechend sind die Professionalisierung und das professionelle Handeln eng mit dem Prozess des gesellschaftlichen Wandels verbunden. Dabei gilt „Nicht-Wissen bzw. Ungewissheit“ als ein klassisches Strukturmerkmal des professionellen Handelns (Hugger 2021). Gleichzeitig wird die Verantwortung für den individuellen Lernprozess im Kontext der Erwachsenenbildung vermehrt auf die Ebene des Individuums verlagert (Schütz 2024, 89). Vor diesem Hintergrund ist zu beobachten, dass die erhöhte Innovationsgeschwindigkeit (Hepp 2019) im Bereich der Technologieentwicklung und in weiteren Bereichen (z.B. Konsumentscheidungen) Nicht-Wissen und strukturelle Ungewissheit wahrscheinlicher machen und dies zu neuen Herausforderungen für das professionelle Handeln in der Erwachsenenbildung führt:
Einerseits gewinnt sowohl durch die Verantwortungsverschiebung des individuellen Lernens als auch die Innovationsgeschwindigkeit das selbstständige Lernen zunehmend an Bedeutung (Koppel & Wolf 2021). Diese Entwicklung betrifft jedoch unterschiedliche Gruppen in verschiedener Weise. Insbesondere für lernungewohnte Personen kann die zunehmende Eigenverantwortung für Lernprozesse eine Herausforderung darstellen, da sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Bildung als weniger wichtig erachten (Ehmig 2025) und eine geringere Affinität zu institutioneller Bildung aufweisen (Bremer 2022).
Andererseits wird es für Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung aufgrund der Innovationsgeschwindigkeit zunehmend herausfordernder, aktuelle Entwicklungen und daraus resultierende Bildungsbedarfe im Kontext ihres professionellen Handelns zu berücksichtigen. Mitunter führt dies zu einem Aufbrechen von klassischen und tradierten Vorstellungen bzw. Erwartungen an das pädagogische Handeln (Bolten-Bühler 2021; Breitschwert 2022).
Der Vortrag widmet sich den Fragen, an welchen Stellen und in welcher Weise Brüche als Herausforderungen für das professionelle Handeln in der Erwachsenenbildung durch die Innovationsgeschwindigkeit wahrscheinlicher werden und wie diese als Chance für Lern- und Entwicklungsprozesse (insbesondere für lernungewohnte Personen) genutzt werden können.
Literatur
Breitschwert, L. (2022): Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung & Weiterbildung als Mehrebenen-Phänomen. Springer VS.
Bolten-Bühler, R. (2021). Medialer Habitus von Lehrenden in der Erwachsenenbildung. Biografische Analysen medienpädagogischer Professionalisierung (Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen, Bd. 40). wbv.
Bremer, H. (2022). Passungsverhältnisse. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung 29 (4), 18-21.
Ehmig, S.C. (2025): MOVE – Kernergebnisse. In Leck, J., Ehmig, S.C., Heymann, L. & Jester, M. (Hrsg.), Motivation und Verbindlichkeit bei gering literalisierten Erwachsenen (S. 33-55). wbv.
Hepp, A. (2019). Deep Mediatization. Routledge.Koppel, I. /Wolf, K.D. (2021): Digitale Grundbildung in einer durch technologische Innovationen geprägten Kultur. Zeitschrift für Pädagogik. Beiheft 2021: Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener, 182-199.
Hugger, K.-U. (2021): Professionalität und Professionalisierung im Handlungsfeld Medienpädagogik. In Dinkelaker, J., Hugger, K.-U., Idel, T.-S., Schütz, A., Thünemann, S. (Hrsg.), Professionalität und Professionalisierung in pädagogischen Handlungsfeldern: Schule, Medienpädagogik, Erwachsenenbildung, 83-140. utb.
Koppel, I. /Wolf, K.D. (2021): Digitale Grundbildung in einer durch technologische Innovationen geprägten Kultur. Zeitschrift für Pädagogik. Beiheft 2021: Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener, 182-199.
Schütz, J. (2024): Zur Professionalisierung und dem pädagogischen Handeln in der Erwachsenenbildung. In Schütz, J. & Elsholz, U. (Hrsg.), Perspektiven auf Professionalisierung in beruflicher Bildung, Erwachsenenbildung und Hochschulbildung (81-100). wbv.
Prof. Dr. Ilka Koppel
Pädagogische Hochschule Weingarten
